Bryan Cyril Thurston ist ein in der Schweiz wirkender britischer Architekt, bildender Künstler und politischer Aktivist.
Thurston stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Von 1952 bis 1954 besuchte er die Bauschule des Willesden College of Technology in London (mit Zwischendiplom des Royal Institute of British Architects, RIBA). Gleichzeitig arbeitete er bei Yorke, Rosenberg and Mardall (YRM), was Thurston selbst als «nachhaltige Erfahrung» bezeichnet. Viel Zeit verbrachte er mit Selbststudium in der Bibliothek des RIBA. Dort stiess er nicht zuletzt auf die Publikation von Eduard und Claudia Neuenschwander über den Atelierbetrieb und das Werk von Alvar Aalto (Erlenbach-Zürich 1954). Grossen Eindruck hinterliess ausserdem das Festival of Britain (1951), das jungen britischen Architekten und Künstlern eine publikumswirksame Plattform bot. Mit seiner Lobrede auf diese «ehrliche, gesunde, solide» Ausstellung (BBC, 10. Juli 1951/19. August 1951) prägte sich Le Corbusier Thurston erstmals ein.
1955 zog Thurston nach Zürich. Zunächst arbeitete er bis 1956 bei Otto Zollinger, danach bis 1959 bei Lippert und von Waldkirch. Hier lernte er die Architektin Alice Biro kennen, die wie sein Lehrmeister Cyril Sjöström Mardall bei Alvar Aalto tätig gewesen war. Thurston und Biro arbeiteten danach im Büro Eduard Neuenschwandersjahrelang zusammen, insbesondere an der Projektierung der Kantonsschule Rämibühl in Zürich (1966–1971). Noch während seiner Anstellung bei Neuenschwander (bis 1976) begann Thurston seine Tätigkeit als selbständiger Architekt.
Manche Bauten wie das Atelierhaus Pfister in Bülach (1970–1972) zeigen eine starke Verwandtschaft mit NeuenschwandersArchitektur: nach innen geneigte Dachflächen, Fassaden, die aus dem Boden zu wachsen scheinen, höhlenartige, zum Teil doppelgeschossige Innenräume, die sich durch eine komplexe Lichtführung auszeichnen. Beide Architekten gewichten die Materialität hoch: Sichtmauerwerk im Innern, eine visuelle Betonung tragender Elemente sowie eine starke rohe Präsenz von Beton, Backstein und Holz. Die erste Etappe der Berufsschule Rüti (1980, mit Franz Burri, Büro Hans Ochsner) ebenso wie Thurstons künstlerische Originalgrafik enthalten bewusste Anspielungen auf Le Corbusiers architektonisches und künstlerisches Werk. Dies gilt auch für seine Kunstbücher (Les éditions BTC d’architecture), mit denen er für eine «organische Architektur» plädiert, die «kreative, ethische, soziale und ökologisch-ökonomische Aspekte» in Einklang bringt.
Neben einer überschaubaren Anzahl ausgeführter Bauten entwickelte Thurston aus eigener Initiative eine grosse Menge oft utopischer Projekte, darunter etwa eine Erweiterung des Bundeshauses in Bern oder ein Ersatzneubauprojekt für das Kloster Einsiedeln. Die collagenartigen Pläne enthalten verspielte Elemente wie Kräne, gerüstartige Konstruktionen, Brücken, Fähnchen und Banner, bunte Farbflächen und ähnliches. Die zeichnerisch virtuose, extrem verdichtete Plangrafik Thurstons ist mit zahlreichen, manchmal poetischen Notizen durchsetzt und zeugt von einem stets sprudelnden und sprunghaften Ausdruckswillen.
Der von ihm und anderen begeisterten Berggängern 1975 herausgegebene Band zur Greina-Hochebene stand am Anfang einer Bewegung, die in den 1980er Jahren auch in politischen Kreisen ankam und die die Zerstörung dieser Landschaft durch ein Wasserkraft-Projekt schliesslich verhindern konnte.