Hans Schmidt (1893 - 1972)

10.12.1893 (Basel) – 18.6.1972 (Soglio)

Hans Schmidt studierte 1913-17 an der Technischen Universität München Architektur und schloss 1918 an der ETH Zürich bei Karl Moser ab. Beeinflusst von Karl Moser und Hans Bernoulli arbeitete er in der Folge an verschiedenen Siedlungsprojekten mit, beispielsweise am Bebauungplan für das Freidorf Muttenz und (als Bauführer) an Michiel Brinkmans Wohnhof Spangen in Rotterdam (1920-22). Sein akzentuiertes Bekenntnis zu einer funktionalistischen Architektur im Dienst des Massenwohnungsbaus führte ihn ins Zentrum der Moderne. Mit Mart Stam und Emil Roth gab er von 1924 bis 1928 die wichtige avantgardistische Architekturzeitschrift «ABC» heraus und gehörte 1928 zu den Begründern der CIAM.

Seit 1923 arbeitete Schmidt mit Paul Artaria zusammen. 1926 gründeten sie das Büro «Artaria & Schmidt Architekten», das jedoch 1930 Konkurs anmelden musste. Artaria und Schmidt schufen in dieser Zeit einige wichtige Beispiele für das Neue Bauens in der Schweiz, etwa das Einfamilienhaus Huber in Riehen (1928-30) oder die Reihenhaussiedlung Schorenmatten in Basel (1927-29). Schmidt fiel dabei eher die konzeptionelle Rolle zu, während Artaria mehrheitlich für die Ausführung zuständig war.

Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Artaria wurde Schmidt vom Frankfurter Architekten und Stadtplaner Ernst May als Mitglied seines Planungskollektivs in die Sowjetunion geholt, wo er bis 1937 an der Entwicklung eines Generalplans für die Industriestadt Omsk im Südural mitarbeitete. Nach Basel zurückgekehrt, orientierte sich Schmidt zunehmend an traditionellen, klassischen und repräsentativen Formen, ohne dabei jedoch den Anspruch struktureller Typisierung aufzugeben. Seine Wettbewerbsbeiträge blieb erfolglos und er konnte nur noch wenig bauen. Vollends isolierte ihn schliesslich sein Engagement als Mitbegründer und Grossrat der kommunistischen Partei der Arbeit (1944-55).

1956 wurde Schmidt an die Deutsche Bauakademie in Ost-Berlin berufen, wo er noch einmal versuchte, seine Vorstellungen von Typisierung und Industrialisierung im Wohnungs- und Städtebau zu verwirklichen. Sein eher anonymes Wirken in den ostdeutschen Planungsgremien hinterliess relativ bescheidene Spuren. Nach einer letzten kurzen Lebensphase in Basel verstarb Schmidt während einer Tagung in Soglio.

Schmidt beteiligte sich rege an der theoretischen Debatte des Neuen Bauens. Die Orientierung der Architektur an den Bedürfnissen der Arbeiter war für ihn zentral. Dieses Engagement schlug sich unter anderem in rund 500 Aufsätzen, Vorträgen und Publikationen nieder.

Alex Winiger

Zitierweise: Alex Winiger, Bestandesbeschrieb Hans Schmidt, in: Website des gta Archivs / ETH Zürich, März 2011, http://www.archiv.gta.arch.ethz.ch/nachlaesse-vorlaesse/schmidt-hans.
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Material


Der Nachlass Schmidts umfasst Pläne, Akten und Fotografien zu rund 200 Bauten und Projekten sowie diverses weiteres Bild- und schriftliches Material. Der Nachlass umfasst ausserdem künstlerische Arbeiten, drei originale Modelle und die umfangreiche Bibliothek Schmidts. Das Material ist inhaltlich geordnet und projektweise erfasst. Dokumente zu Schmidts Aktivitäten in der CIAM befinden sich im CIAM-Archiv des gta Archivs. Ein grösserer Bestand an Dokumenten zur Tätigkeit Schmidts in der DDR befindet sich im Bundesarchiv in Berlin (ehemals: Hans Schmidt-Archiv der Deutschen Bauakademie Berlin). Im Einzelnen umfasst der Bestand:
  • 8 Planschubladen Planmaterial
  • 4 Hängeregisterschubladen mit Material (vor allem Pläne) zu Bauten und Projekten
  • 2 Hängeregisterschubladen theoretischer Bestand
  • 24 Schachteln systematische Bildsammlungen
  • 6 Schachteln systematischer Zettelkatalog mit Exzerpten und Artikeln
  • 3 Laufmeter Diverses (Postkartensammlung, Dias und schriftliches Material)
  • 2 Hängeregisterschubladen (Bildsammlung, Fotos, Biografika und diverses)
  • 1 Hängeregisterschubladen Korrespondenz
  • 3 Schachteln Agenden und Notizbücher
  • 2 Modelle der Bezirksschule in Lenzburg
  • 1 Puppenhaus von Hans Schmidt für seine Kinder
  • Nachlassbibliothek mit circa 950 Publikationen (komplett erschlossen und recherchierbar über www.nebis.ch, Standort und Signatur: ETH-GTA (Zürich) | 61-BIB ...


Auswahlbibliographie


  • Schweizer Staedtebauer bei den Sowjets, Basel, Genossenschafts-Buchdruckerei, [1932] (Reprint: Baden, Lars Müller, 1990).
  • Bruno Flierl (Hg.), Hans Schmidt. Beiträge zur Architektur 1924-1964, Berlin/Basel, VEB Verlag für Bauwesen/Pfalz Verlag, 1965 (erweiterter Reprint: Zürich, gta Verlag, 1993).
  • Ueli Marbach/Arthur Rüegg, Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen 1928-1932. Ihre Entstehung und Erneuerung, Zürich, gta Verlag, 1990.
  • Benedikt Huber, Die Stadt des Neuen Bauens. Projekte und Theorien von Hans Schmidt, Zürich, vdf Verlag der Fachvereine, 1993.
  • Hans Schmidt 1893-1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost, Zürich, gta Verlag, 1993 (inkl. Werkkatalog).
  • Véronique Goël, Hans Schmidt. Architecte, Dokumentarfilm, Genf, 2005.
  • Kathrin Siebert, Hans Schmidt (1893-1972). Seine Zeit als Architekt und Theoretiker in der DDR zwischen 1956 und 1969, Lizentiatsarbeit Universität Zürich, 2009.