Franz Scheibler (1898 - 1960)

3.1.1898 (Winterthur) – 27.4.1960 (Winterthur)

Franz Scheibler absolvierte 1912-16 eine Bauzeichnerlehre im Baugeschäft Lerch und studierte 1916-19 Architektur am Technikum Winterthur, wo er unter anderem Kurse bei Robert Rittmeyer belegte. 1919-21 war er als Bautechniker im Architekturbüro Rittmeyer & Furrer angestellt. 1921-23 folgte der Besuch der Meisterklasse von Heinrich Tessenow an der Akademie der Künste in Dresden. Ab 1923 betrieb Scheibler ein eigenes Büro in Winterthur. Gelegentlich arbeitete er mit anderen Architekten zusammen, darunter mit Conrad Domenikus Furrer.

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit setzte sich Scheibler intensiv mit dem sozialen Wohnungsbau auseinander. Es entstanden vorwiegend Reihenhäuser mit Pflanzgärten zur Eigenversorgung, die unmittelbar von Tessenows Reihenhäusern «Am Schänkenberg» (1910-14) beeinflusst sind, aber auch an Ostschweizer Spinnereibauten aus dem 19. Jahrhundert erinnern. Mit dem Ende der staatlichen Wohnbauförderung 1932 wurde das bürgerliche Wohnhaus für den Mittelstand zur wichtigsten Bauaufgabe Scheiblers in den 1930er Jahren. Daneben beschäftigte er sich eingehend mit dem Holzbau, der um 1930 von der Moderne als zeitgemässe Bauweise wieder entdeckt wurde. So realisierte er beispielsweise 1934 an der Weststrasse in Winterthur eine Holzhaussiedlung in Ständerbauweise und für die «Landi 1939» in Zürich den Pavillon «Unser Holz». Nach 1939 war Scheibler zunehmend auch in anderen Bereichen als dem Wohnhausbau tätig. Schwerpunkte waren der Bau von Geschäfts- und Schulhäusern sowie Altstadtsanierungen.

Scheiblers Architektur, welche stark durch Heinrich Tessenow geprägt ist, zeichnet sich durch eine klare und straffe Grundrissorganisation, eine reduzierte, aber moderate Formensprache und eine mehrheitlich traditionelle Bauweise – insbesondere in Form gemauerter und verputzter Wände sowie durch die Verwendung von Sattel- oder Walmdächern – aus. Das umfangreiche Werk mit über 300 Bauten und Projekt entstand hauptsächlich in und um Winterthur und erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär. Dank seiner beeindruckenden Dichte und Vielfalt stellt es jedoch einen repräsentativen Querschnitt durch die Schweizer Architektur der Zwischen- und Nachkriegszeit dar, nimmt aber zugleich innerhalb dieser durch die getreue Umsetzung der Lehren Tessenows eine Sonderstellung ein.

Petra Röthlisberger

Zitierweise: Petra Röthlisberger, Bestandesbeschrieb Franz Scheibler, in: Website des gta Archivs / ETH Zürich, November 2010, www.archiv.gta.arch.ethz.ch/nachlaesse-vorlaesse/scheibler-franz/informationen.
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Material


Der Nachlass Franz Scheiblers umfasst Pläne (gefaltet), Tuschzeichnungen, Akten, historische Fotografien und Literatur zu rund 300 Bauten und Entwürfen aus den Jahren 1921–60, ausserdem Portraitfotos, Glasdias und Kopien von Vortragsmanuskripten. Das Material ist vollständig geordnet, nummeriert und objektweise in der Archivdatenbank erfasst.
  • 12 Laufmeter Bändelmappen mit Planmaterial
  • 2 Planschubladen
  • 3 Aktenschachteln
  • 4 Fotobücher


Auswahlbibliographie


  • Conrad D. Furrer, «Franz Scheibler» [Nekrolog], in: SBZ, Jg. 78, Nr. 28, 14.7.1960, S. 475-476.
  • Martin Steinmann, «…Ein Mensch der das Einfache und Normale wollte. Zu Franz Scheibler und seinen Bauten 1924-45» und «Ausgewählte Bauten von Franz Scheibler», in: Archithese, Jg. 13, Nr. 6, 1983, S. 9-26.
  • Aurelio Brucanto/Bernhard Gerber, Der Tessenow-Schüler Franz Scheibler. Sein Werk neben dem Wohnungsbau, Diplomwahlfacharbeit ETH Zürich, Zürich 1997.
  • Katharina Medici-Mall, «Franz Scheibler», in: Isabelle Rucki/Dorothee Huber (Hrsg.), Architektenlexikon der Schweiz. 19./20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin, Birkhäuser 1998. S. 479-480.
  • Petra Röthlisberger, Drei Häuser von Franz Scheibler. Anmerkungen zu Franz Scheiblers Wohnhausbau 1924-1939, Diplomwahlfacharbeit ETH Zürich, Zürich 2005.
  • Der Nachlass wird im Zuge einer Dissertation zum Gesamtwerk Scheiblers von Petra Röthlisberger seit 2006 intensiv erforscht.